Musikkritik – Chimes At Midnight von Madrugada

Vor einigen Jahren noch, trat Madrugada Sänger Sivert Høyem mit Songs von Madrugada und vornehmlich, Songs aus seinem Singer/Songwriter-Schaffen als Solokünstler auf unseren deutschen Bühnen auf. Anschließend formierte er sich mit der Band „Paradise“ neu, eine Band, welche eine großartige Rock-EP („Yellow“) heraus gebracht hat, in der Besetzung: Rob McVey(Longview), Simone Butler(Primal Scream), Rob Ellis(Produzent u.a. für PJ Harvey, Placebo ), Sivert Høyem(Madrugada). Nach Rob Ellis, verließ allerdings dann auch Sivert die Band nach relativ kurzer Zeit, schloss sich wieder mit den zwei weiteren, verbliebenen Gründungsmitgliedern von Madrugada zusammen und ging mit ihnen auf Tour. „Industrial Silence“ ist das fantastische Debut der Band. Die Tour wurde als „Industrial Silence-Tour“ angekündigt, zum 20 jährigen Bestehen des Debuts. Robert Burås, der Gitarrist der Band, verstarb 2007, woraufhin die Band noch ihr 7tes Album fertig stellte und sich auflöste.

Ich bin erst in den 2010er Jahren auf die Band aufmerksam geworden und habe insbesondere das Erstwerk „Industrial Silence“ etliche Male gehört. Sivert Høyem habe ich daraufhin drei Mal live gesehen. Im Frühjahr 2015 in der Harmonie Bonn als Rockpalast Aufzeichnung für den WDR, Ende 2015 in Köln als Solosänger mit akustischer Gitarre als Vor-Act von Katzenjammer und in einem kleinen Club, Blue Shell, in Köln 2017 mit der Band Paradise. Ich war immer ausnahmslos begeistert. Mit seinen Soloalben hingegen freundete ich mich nur bedingt an und kenne nur ausgewählte Songs.

2015 im Palladium, Köln, stellte sich Høyem dem Publikum zur Verfügung und stand im Foyer der Halle. Und tausende, wie auch ich selber, gingen an ihm vorbei. Kaum jemand sprach ihn an. Ich war damals etwas außer Form vom engen Konzert und hatte auch nicht den Mut, ihn anzusprechen, ihn vielleicht einmal als Kumpel zu umarmen und einfach danke zu sagen. Zu groß war auch mein Respekt vor diesem charismatischen Typen. Als ich die Schanzenstraße herunter zum Auto ging, hörte ich ein Gespräch zwischen einer kleinen Gruppe von Leuten, in der ein deutsch sprechender Norweger sich lustig über das norwegische Königshaus machte. Er meinte unter anderem, das junge Königsprinzenpaar, sowie das Königspaar, hätten allesamt einen IQ unter Bevölkerungsdurchschnitt. Es wäre zum verzweifeln.

Madugada – Vocal – vom Debutalbum „Industrial Silence“
meine Aufnahme, mein Schnipsel von Sivert, solo, als Voract von Katzenjammer
Paradise – Humilitation

Musikkritik – Chimes At Midnight von Madrugada

Drei Gründungsmitglieder von Madrugada haben sich nach einer sehr erfolgreichen Tour wieder zusammen gefunden, um ein neues Madrugada Album aufzunehmen. Sivert Høyem der Sänger, Jon Lauvland Petterson, der Bassist, Frode Jacobsen, der Drummer. Sie werden auf diesem Album verstärkt von den Gitarristen Cato Thomassen und Christer Knutsen. Schnell wird mit dem Opener „Nobody Loves You Like I Do“ klar, dass das der Madrugada Sound ist. Ein schleichendes, spannendes Spielen der Drums mit dem Besen, eine dunkle Suspense der Bassline, ein paar kleinere Riff-Anekdoten, welche auch bereit sind, auf das Femme Fatale abzufeuern und Siverts Stimme, welche beschwörerisch klingt. Sie haben es immer noch drauf.

Doch, was folgt, sind wesentlich leichtere, radiotaugliche Rock-Balladen, welche das Album repräsentieren. Etwas überrascht, stelle ich fest, dass in der Produktion durchaus eine Nähe zu Siverts Soloalben gesucht wird. Ebenfalls im Songwriting, denn wesentlich aufgeräumter, befreiter und leichter klingen die Songs an, welche thematisch meistens immer noch im Erleben von Zweierbeziehungen aufgehoben sind. Ein gutes Beispiel ist „Stabat Mater“, welche mit einem kleinen, betrunkenen, Arm-in-Arm Chorus daher kommt und mit griechischer Instrumentalisierung spielt. Eine Reminiszenz an die große griechische Fan-Base, welche Madrugada besitzt?

Der Grundton der Band ist positiver, weiter, geworden. Für Klaustrophobie ist nicht mehr viel Platz. Soviel wird klar. Basslines sind optimistischer, Gitarren werden zurückhaltend eingesetzt, Melodien sind durchaus auch mal fast schon fröhlich spielend. Den Bandmitgliedern ist es gut ergangen. Sie haben Erfüllung gefunden und sind nun, als gereifte Männer bereit, dies auch weiter zu geben. Die Balladen bleiben melancholisch, verträumt, verlieren sich manchmal in Sehnsucht. Mit „Empire Blues“ wird auch einmal ein Stück im Sirtaki Rhytmus und sanften Slide Gitarren dazwischen gesteuert. Geblieben ist Sivert Stimme, welche in der Lage ist, Frauen anzusprechen, aber auch abzuschleppen.

Es ist keine schlechte Zeit, die Zeit, welche ich nun beim Hören von diesem Album verbracht habe. Ich verehre wirklich Høyems Stimme. Man sollte sich diese Scheibe als Fan der Band kaufen, allerdings ist der Sound ein wenig in Richtung radiotaugliche Hintergrundmusik gerückt, wenn man nicht gerade verliebt ist oder ein schmachtender Fan ist. Ein wenig bin ich enttäuscht.

Madrugada – Ecstasy (Official Music Video)

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