Kaffeevollautomaten – do it yourself – ein Erfahrungsbericht

Selbst Haushalte, welche lediglich ein geringes Einkommen vorweisen können, allerdings einen Anspruch auf gustatorisch hochwertige Getränke und Speisen haben, sind mittlerweile auf den Kaffeevollautomaten oder die hochwertigen Siebträgermaschinen gekommen in unserer Zeit. Gab man sich früher zufrieden mit dem, nach einer Viertelstunde verbitterten, Filterkaffee aus der herkömmlichen Kaffeemaschine und genoss einen frischen, hochwertigen Kaffee dann besonders im Restaurant, stellte man fest, dass mit relativ wenig Geldaufwand auch im eigenen Heim etwas Geschmackvolles produziert werden kann, an Kaffeespezialität.

Beliebt hierbei, ist der praktische Kaffeevollautomat, eine Maschine, welche einen Input an Strom, Wasser und frischen Kaffeebohnen erhält und alles automatisch verarbeitend, hochwertigen Kaffee produziert, lediglich die Abfallprodukte als Arbeit für den Besitzer, auslässt. Gute neue Geräte liegen in der Regel in einer Preispanne zwischen 600,- bis 1000,- €.

Doch warum mittlerweile so viel ausgeben für ein neues Gerät? Auf den entsprechenden Märkten werden eine Fülle von guten, gebrauchten Geräten für ein Vielfaches weniger angeboten als den Neupreis. So kann man einen ganz guten Vollautomaten schon für etwa 100,-€ erstehen. Allerdings, auch hier ist Vorsicht geboten, denn schnell kann man einen Automaten erstehen, welcher zum Pflegefall wird. Eine eigene Wartung des Automaten ist für den Laien nicht sehr schnell zu bewerkstelligen.

Nimmt man sich allerdings ein wenig Zeit für seinen Automaten, so kann man über Jahre, mit ein wenig Aufwand, einen sehr guten Kaffee trinken, ohne dass man alle zwei Jahre einen neuen Automaten kaufen muss. Ich möchte hier ein wenig informieren und mitteilen über die Erfahrungen, welche ich gemacht habe mit meinen Kaffevollautomaten.

Blick in eine geöffnete Benvenuto B30 von Bosch

Grundsätzlich ist zu erwähnen, dass man im Internet mittlerweile fast alles vorfindet, was für eine erfolgreiche Wartung oder Reparatur für ein älteres Modell eines Vollautomaten benötigt wird. Es gibt zahlreiche Händler, welche mit Reparatur und Wartungssets handeln. Auch für 15 Jahre alte Modelle gibt es die entsprechenden Ersatzteile. In Foren werden die herkömmlichen Probleme, welche auftreten können im Gebrauch, ausführlich besprochen. Ein Einlesen in die Thematik ist allerdings wichtig. Hat man ein Problem mit seinem Automaten, so sollte man sich zunächst einmal auch den Wasserablaufplan des Gerätes auf einer Website herunterladen. Einen Fehler zum Beispiel in Form einer Verkalkung, Verstopfung, geht man dann systematisch an, in dem man nach und nach den Wasserlauf am laufenden Gerät prüft. Dies ist nicht für jedermann gedacht, denn die Kombination aus Wasser und Strom ist eine gefährliche. Wichtig ist, dass man bei Arbeiten am Gerät sicherstellt, dass kein Stromkreislauf geschlossen ist. Erste einfache Werkzeuge, welche man benötigt, sind eine Spitzzange, sowie diverse Torx-Schraubenzieher Sätze, auch diverse, unterschiedlich große Spritzen und kleine Drahtbürsten sind im Einsatz sinnvoll. Auf diese Weise kann man ein defektes Gerät mit Ersatzteilen ausstatten im Wert von 20,- bis 60,-€, ohne dass man sich ein neues Gerät anschaffen muss. Ich habe mittlerweile Erfahrungen mit diversen Vollautomaten gemacht und hierbei Verkalkungen mit der Drahtbürste im Thermoblock gelöst, ausgeleierte Drainageventile ausgetauscht, ein Flowmeter revidiert, Dichtungen revidiert und ganze Brüheinheiten gewechselt. Ich werde im folgenden einige Tipps geben für den Gebrauchtkauf, sowie für die Analyse, falls der Vollautomat mal nicht so funktioniert wie gewünscht.

Gebrauchtkauf

Unbedingt sollte man den Vollautomaten vor Ort, beim Verkäufer testen. Bei der Kaffeeerstellung gilt es zu berücksichtigen, welche Vorlieben der Vorbesitzer in Bezug auf seinen Kaffee hat. Bohnenherkunft, Mahlgrad, Brühtemperatur, eingestelltes Wasser/Kaffee Verhältnis ändern die Eigenschaften vom ausgelassenen, zu testenden, Produkt erheblich. Berücksichtigt man dieses so sollte man auf folgende Dinge achten:

  • Stärke und Geschmack des aufgebrühten Kaffees (ein wässriger Kaffee deutet auf ein verschlissenes Mahlwerk hin).
  • Temperatur des Kaffees (ist der Kaffee nur mäßig heiß, so gibt es wahrscheinlich Probleme im Wasserfluss des Thermoblocks oder des Drainageventils).
  • Qualität der Crema (der Kaffee sollte eine schöne Schicht feinporiger Crema vorweisen, ansonsten ist häufig die Brüheinheit Revidierung bedürftig).
  • Dauer des Brühvorgangs (hat der Automat erst einmal Wasser gezogen, so sollte der Ausfluss nach dem Brühen flüssig erfolgen, auf keinen Fall tröpfelnd. Verkalkung ist hier das Thema).
  • Wässriger Trester ( die gepressten Tresterpellets sollten eindeutig geformt und nicht matschig sein, hier kann ebenfalls eine fehlerhafte Brüheinheit Ursache für schlechten Kaffee sein).
  • Wasser in der Auffangschale (Das Spülwasser sollte nur dort aufgefangen werden, wo es hingehört. Nicht in den Tresterbehälter. Wie auch der Trester nicht in die Auffangschale gehört. Auch hier spielt die Brüheinheit die entscheidende Rolle).
  • Geräusche (Die Pumpe sollte nicht laut gegen einen ungewöhnlich hohen Widerstand anarbeiten. Das Mahlwerk soll einen gleichbleibenden Ton von sich geben).

Hat man nun einen Vollautomaten jahrelang im Gebrauch, so wird irgendwann einmal ein Fehler im Aufbrühen auftreten. Dies ist kein Grund das Gerät zu entsorgen. Oftmals braucht es lediglich einer Revidierung und man hat wieder Freude am Gerät. Das Hantieren an Dichtungen und Bauteilen ist nicht ganz einfach, ohne jeden Zweifel. Oftmals sind Bauteile oder Übergangsdichtungen schwer zugänglich und müssen mit einer gewissen Kraft wieder instand gesetzt werden. Mit etwas Geduld und Übung ist dieses allerdings auch für den Laien möglich.

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