Filmkritik – Licorice Pizza

ein Film von Paul Thomas Anderson (2021)

Licorice Pizza ab Januar 2022 im Kino Filmplakat
© 2021 Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc.

In der Coronazeit die angesagten Independent Filme zu sehen, ist, im beschaulichen Ostwestfalen, kein einfaches Unterfangen, wie sich herausgestellt hat. Als großer Fan von Paul Thomas Anderson(mittlerweile in der Branche einfach abgekürzt mit „PTA“)-Filmen, führte mich mein Weg gestern nach Lippstadt in das kleine Programmkino „Cinema – Studio“. In Paderborn ist der Film nicht zu sehen und das ist sehr bedauerlich.

Eine Dreiviertelstunde Autofahrt und ich befand mich von Bad Lippspringe aus, in der hübschen Innenstadt von Lippstadt, mit ihren vielen Fachwerkhäusern, Kneipen, Bars, Ladenlokalen. Eine Inspiration entsprang daraus, im Frühjahr noch einmal wieder zu kommen.

Das kleine Programmkino verbarg sich hingegen in einer engen Passage am Rathhaus, direkt neben einer Spielhalle und einen Umstandsbedarfsgeschäft. Nicht so schön präsentiert. Hier pinkelt der Rüde.

Der Kinosaal war zehn Minuten vor Beginn des Films komplett leer. Enttäuschend. Insgesamt fanden sich lediglich 4 Zuschauer. Es stimmt etwas nicht, mit der Begeisterung für Filme zur Zeit.

ein leerer Saal im Cinema-Studio Lippstadt

Filmkritik

Anderson ist im San Fernando Valley von Los Angeles aufgewachsen. In seinem Film „Magnolia“ von 1999 lässt er ein großartiges Schauspieler-Ensemble dramatische Geschichten aus dieser Welt erleben, welches in einem furiosen, denkwürdigen Unwetter gipfelt. Mit „Licorice Pizza“ (Lakritz Pizza) kehrt er in diese Umgebung zurück, in seine Kindheit, in die Mitte der 1970er Jahre. Er erzählt die Geschichte von Gary, gespielt von Cooper Hoffman, Sohn des verstorben Schauspielers Philipp Seymour Hoffmann und Alana, gespielt von Alana Haim, der jüngsten Schwester der Band Haim, welche gemeinsam durch die freie Kulisse dieser Zeit gehen, verrückteste Abenteuer zusammen erleben, sich verlieren und sich wiederfinden. Mehr darf der Zuschauer hier nicht erwarten. Der Film erzählt Unspektakuläres in einer perfekt ausgestatteten Umgebung, mit wesentlich mehr Möglichkeiten zum Erleben und zum Verlieben als das sie heute existieren.

Gary ist ein 15 jähriger Kinderschauspieler in Hollywood, schon groß gewachsen, mit ordentlich Babyspeck, erblickt Alana, 25 Jahre alt, welche aus einer strengen jüdischen Familie stammt, bei einem Foto-Shoot an seiner Highschool, bei welcher sie als Assistenzgehilfin eine kurzzeitige Anstellung gefunden hat. Er findet sie toll, spricht sie an, versucht sie zu einem Date zu überreden. Und aus dieser Unterhaltung wird klar, Gary ist, trotz Pickelgesicht, kein herkömmlicher 15jähriger, er ist ein wenig altklug, aber showerfahren und auch gereift. Da Elena auf der Suche nach Perspektiven ist, erscheint sie tatsächlich abends zum Dinner Date. Eine sexuelle Beziehung nimmt sie allerdings nicht auf mit ihm, denn zu groß ist ihr der Altersunterschied.

Dieses Paar, mit Ihren befreundeten Randpersonen, sehen wir im Film auf der Suche nach erfolgreichen Geschäftsideen, Erfolg im total verrückten Filmbusiness und ihrer Gefühlswelt. Sean Penn, Bradley Cooper und Tom Waits spielen hierbei großartige Nebenrollen, welche dem Zuschauer klarmachen, dass die 70er Jahre im San Fernando Valley, Kalifornien, wesentlich mehr Möglichkeiten bereit hielten als unsere politisch korrekte Zeit es zulassen würde. Die große Stärke des Filmes ist, diese Zeit perfekt aufleben zu lassen, eine Leichtigkeit im Denken zu produzieren, sich aus seiner Coronamauer zu befreien und in Perspektiven zu denken, wie es die beiden Protagonisten tuen. Dabei sind sie mehr als bloße Opportunisten.

Es fiel mir schwer mich in diesem tristen Winter auf eine Geschichte einzulassen, welche eigentlich im Frühjahr angeschaut werden sollte. Schnell erreichte mich die Dunkelheit der Autofahrt und wirklich nachgewirkt hat der Film nicht. Wer allerdings ein erstes oder Fünfzigstes Date mit seinem Partner oder seiner Partnerin entgegen sieht, dem sei dieser Film wärmstens ans Herz gelegt.

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