Filmkritik – Ich bin dein Mensch von Maria Schrader (ARD-Mediathek)

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Heute am 10.02.2022 wird die 72. Berlinale feierlich eröffnet. Die Filmbranche hat merklich unter der Corona-Krise gelitten, wie auch die meisten anderen Kulturbranchen. Toll ist, dass die Berlinale ermöglicht wurde, wenngleich in einem verkürzten Rahmen, weniger stargespickt, in diesem Jahr.

Das deutsche Kino wirkt, zumindest bei den in Deutschland ausgezeichneten Filmen, oftmals kühl, intellektuell, realitätsbezogen. Es ist ein wenig kopflastig im Vergleich zu den Filmen, welche in den USA bei den Oscars dann abräumen. Filme wie „Systemsprenger“, „Kirschblüten-Hanami“, „Das Leben der Anderen“ und „Toni Erdmann“, Filme, welche mir jetzt bei hervorragenden, deutschen Produktionen in den Sinn kommen, haben allerdings gezeigt, dass deutsche Filmemacher großartige Filme produzieren können, welche einfach ein wenig differenzierter, ehrlicher wirken als amerikanische Blockbuster und trotzdem national und international Erfolg haben können.

Die Berlinale 2022 läuft nun, die Oscars 2022 werden folgen. Als Auslandsbeitrag, als deutscher Beitrag, wurde der Film „Ich bin dein Mensch“ von Maria Schrader ins Rennen geschickt. Der Film wurde allerdings bei den Nominierungen nicht berücksichtigt.

Grund genug für mich diesen Film einmal anzusehen. Maren Eggert gewann auf der Berlinale 2021 den Goldenen Bären für ihre Hauptrolle im Film. „Ich bin dein Mensch“ muss also schon ein gutes Niveau aufweisen. Der Film lief am 22. Dezember 2022 in der ARD und ist noch in der ARD – Mediathek abrufbar.

Filmkritik

Der Film spielt etwa 10 Jahre in der Zukunft. Alma (Maren Eggert) ist eine führende, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Vorderasiatischen Museum Berlin. Um an Forschungsgelder für eine Studie zu sumerischen Schriften zu kommen, willigt Alma ihrerseits in eine Teilnahme an einer Studie der Firma Terrareca ein. Für 3 Wochen soll sie einen angeblich, beziehungsfähigen, männlichen Androiden als Lebenspartner testen. In einem futuristischen Nachtclub im Stile der 20er Jahre der Firma Terrareca, in welchen sich Menschen, Androiden und Hologramme tummeln, trifft sie zum ersten Mal auf Tom, ein schöner Android, welcher speziell für sie programmiert wurde. Alma ist skeptisch und distanziert. Sie fühlt sich bestätigt als Tom zunächst mit einer Fehlfunktion noch einmal gewartet werden muss. Doch nach dem nächsten Besuch startet das Experiment und sie nimmt Tom mit nach Hause.

Maren Eggert spielt mit Alma eine emanzipierte, starke Frau mit einem Hang zur Karriere und wenig Zeit sich auf Männer einzulassen. Trotzdem wirkt sie insbesondere am Filmanfang auch spröde und angespannt. Sie ist sich durchaus bewusst, eventuell mit dem Vorurteil, welches auch der Zuschauer mitträgt, dass ein Adonis-Humanoid, nach ihretwillen, vornehmlich zur weiblichen Triebbefriedigung eingesetzt werden könnte. In der Zukunft als das Angleichen für die Frauen. Und so verhält sie sich auch zunächst als hätte sie ein teures Toy aus dem Sexshop für sich mitgebracht, mit der Option es auszuprobieren, auch wenn sie es absolut für verzichtbar hält. Allerdings, keine echte Neugierde hält sie für eine willenlose K.I. bereit. Doch Tom weiß zu überraschen und spätestens nachdem Tom an ihrem Arbeitsplatz Qualitäten zeigt, ein toller Drehbucheinfall, nähert sie sich einen Androiden an.

Es ist, wie so viele hochgelobte, deutsche Filme, anscheinend ein Frauenfilm. Was denkt eine etwas verklemmte Frau, wenn sie sich im Alter von 45, das erste Mal einen Vibrator mit nach Hause nimmt? Oder Audioporn hört, welches ein Trend unter Frauen im Moment zu sein scheint. Was sind die Fantasien der Frauen unserer Zeit, in denen eine komplette Männerrolle abgehandelt wird, nicht nur der stereotype Sex Akt? Wie wird ein Mann auftreten, welcher einen optimalen Partner darstellt? Werden wir in ganz ferner Zukunft eine Beziehung zu einer K.I. aufbauen können? Diese Fragen beantwortet und stellt der Film und geht hierbei doch einen Schritt weiter als es die Figur des Commander Data, etwas komödiantisch in Raumschiff Enterprise tat. Dennoch bleibt der Film ein wenig blass. Wahrscheinlich gewollt, eingearbeitet in fast schon grauen Alltag, wird eine Geschichte erzählt, in welcher Wünsche und Ansprüche einer modernen Frau projiziert werden. Ein wenig hedonistisch, vor allem aber utilitaristisch sind diese Ansprüche. Das ist der außergewöhnlichste, treffendste Punkt des Films, welchen ich hoch anrechne. Hier hat sich tatsächlich ein Frauenbild, vielleicht ein Gesellschaftsbild gewandelt. Das ist großartig analysiert durch das Drehbuch und auch durch das Schauspiel. Die hochgelobten Dialoge jedoch, empfinde ich nur als Mittelklasse.

ICH BIN DEIN MENSCH (2021) HD Trailer (Deutsch / German)

2 Gedanken zu „Filmkritik – Ich bin dein Mensch von Maria Schrader (ARD-Mediathek)“

  1. Der Film ist kein Unterhaltungsfilm, sondern es geht um KI, die uns in ihrer Perfektion alle Wünsche erfüllen kann. Sie führt uns in ein bequemes Leben, nimmt uns aber die Motivation für eine seelische, geistige Weiterentwicklung. Wir stehen an einem Paradigmenwechsel in dem wir uns entscheiden müssen, wollen wir eine Weiterentwicklung zurück zu unserer göttlichen Quelle oder kristallisieren wir. Corona Pass ,Impfung sind die Bausteine für eine Hybrid Verbindung zwischen Maschine und Mensch. Es ist höchste Zeit, aufzuwachen!

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